Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

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Moderator: dussel07

Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Chef » 08.10.2009, 19:37

Zu Lochraster:
Die sind gut, wenn man gezwungen ist 'kreuz und quer' zu verdrahten. Z.B. bei Matrixsteuerungen, komplizierten analogen Schaltungen etc. Nachteil ist aber, man muss hier wirklich jede Leitung ziehen.

Zu Streifenraster:
Diese sind Ideal, wenn man einen geraden Signalweg hat. Z.B. bei µC: µC-Datenlatch-Bustreiber. Hier kann man die ICs und muss, ausser den Steuerleitungen nicht jedes mal 8 Leitungen ziehen. Nachteil: Man muss oft Leiterbahnen trennen und wenn das nicht sauber gemacht wird, sucht man bis ans Lebensende den Fehler. Der Span ist oft so fein, das dieser fast nicht zu sehen ist (Oft genug erlebt).

Ein Zwischending ist die Punkt/Streifenplatine. Diese vereint die Vorteile beider Platinen. Man kann evtl. einen Signalweg nutzen, ohne Leiterbahnen trennen zu müssen, aber auch 'wilde' Verdrahtung ist möglich. Nachteil: Man muss hin und wieder Dreierketten zusammenlöten, weil eine nicht ausreicht. Der Zeitvorteil von Streifenplatinen ist dort oft wieder hin.

Chef :D
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 08.10.2009, 19:47

Ich glaub, ich muß ein oder zwei Bilder reinstellen :wink:
MVC-002F.JPG
MVC-003F.JPG

Ein Vorverstärker für 20dB 10Hz bis 400kHz Vorgesehen für ein NF-MVM

Ich mach am liebsten kleine Module mit wenigen Bauelementen die dann auf einer größeren Platine zusammen verbunden werden. Erst werden die einzelnen Module geprüft und dann erst die Zusammenschaltung derselben. Durch die Verwendung dieser Module kann ich einzelne Baugruppen nachträglich verbessern ohne tief in die Schaltung eingreifen zu müssen. Die paar Stecker Mehraufwand haben sich noch immer gelohnt. 8) Der Chef hat bereits so viele davon dass er sie verkaufen muß :lol:
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Hobbybastel » 08.10.2009, 19:56

Bei der gezeigten kleinen Schaltung des Verstärkers würde ich auch noch durchblicken. Da kann man die Signalwege vom IC ausgehend noch gut verfolgen.

Hier ist es (für mich) aber schon recht schwierig:
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els.jpg
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 08.10.2009, 20:13

Wie gesagt.: Am besten ein Großformatiges Foto machen, den Bauteilen Namen und den Anschlüssen Nummern geben. Dann Systematisch herausmessen welche Anschlüsse mit welchen in Verbindung sind Natürlich zählen nur 0 Ohm Verbindungen mit Messspannung kleiner 0,3V.

Davon im PC ein TXT File erstellen zB.:

Net$1 R2-1 C3-4 IC2-3
Net$2 R2-2 D1-2 IC2-1
usw. bis der Letzte Bauteilanschluss ausgemessen ist.

Danach ein Netfile studieren um die Syntax zu erfahren und das Ganze in ein lupenreines Netfile umsetzen.

In zB. Eagle die Bauteile unter den verwendeten Namen am Zeichenfeld platzieren und die erstellte Netlist importieren

Dadurch weden die Bauteile mit Luftlinien verbunden und du kannst sie so platzieren dass sich möglichst wenige Kreuzungen ergeben. Danach richtest Du die Linien senkrecht und waagrecht aus und solltest einen Schaltplan haben.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Darki » 08.10.2009, 21:08

Hobbybastel hat geschrieben:Bei der gezeigten kleinen Schaltung des Verstärkers würde ich auch noch durchblicken. Da kann man die Signalwege vom IC ausgehend noch gut verfolgen.

Hier ist es (für mich) aber schon recht schwierig:


Sehe ich richtig das es sich dort um einen Sockel einer Kompaktleuchstofflampe handelt?

Wenn ja, besteht !!LEBENSGEFAHR!! Es herschen Spannungen teilweise von einigen kV mit einer sehr hohen (mehere kHz) Frequenz! Davon solltest du definitiv die finger lassen!
Außanhme natürlich, du baust das teil nur auseinander um zu verstehen wie so ein Teil funktioniert, aber NIEMALS wieder nach dem öffnen versuchen einzuschalten und an 230V zu betreiben!
Ich lese keine Anleitungen, ich drücke Knöpfe bis es klappt!
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Hobbybastel » 08.10.2009, 22:52

Nein, die Schaltung kann ich auch gar nicht mehr betreiben; die Lampe ist ja kaputt! Außerdem mußte ich den Sockel aufsägen um das zu erreichen.

Ich wollte nur sehen wie die Schaltung überhaupt aussieht und dann die Funktion ansehen. Die Bauteile kann ich später auslöten, die werden wohl noch alle in Ordnung sein.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 09.10.2009, 06:29

Das Orange vorne links scheint ein DIAC zu sein. Dann ist ein TRIAC oder Thyristor auch nicht weit :wink:
Den Brückengleichrichter erkennst Du ja selber. Für den Rest mußt Du die Datenblattseiten bemühen.
Zum Beispiel

Eigentlich ganz schön viele Bauteile. Die Energiesparlampenverordnung stützt also die notleidende Elektronikindustrie 8)
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Hobbybastel » 10.10.2009, 23:06

Ich habe mir nochmal die beiden Bilder des Verstärkers oben angesehen. Von einigen Lötpunkten gehen auf der Lötseite Brücken aus.

Wie wird sowas am besten gemacht? Ich hab das auch mal versucht und war ne ziemliche Fummelei. Der Brückendraht muß ja zuerst lose auf der Platine liegen, da er nirgens fest ist. Will man ihn dann zusammen mit dem Bauteil an dem Lötpunkt anlöten, rutscht er oft weg. Mit der Zange konnte ich ihn auch nicht halten, da ich nur zwei Hände habe (Hand 1: Lötkolben, Hand 2: Lötdraht und Nachführen von Lötzinn auf die Lötstelle). Ich hab den Brückendraht dann mit Klebeband festgeklebt, damit er nicht wegrutschen kann. Aber durch die Hitze ist danach oft der Draht und auf die Platine von der Klebepampe recht backsig.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon dussel07 » 10.10.2009, 23:37

Erst Bauteil verlöten oder Lötpunkt verzinnen, dann den Draht auf die Lötstelle halten und mit dem Kolben wieder erhitzen. Fertig!
Wenn der Draht erst mal an einem Punkt befestigt ist, ist der Rest ein Kinderspiel -
Mist ist nur, wenn Du zB einen Lötnagel in einem zu großem Loch verlötet hast und er beim erneuten schmelzen des Lotes wieder rausfällt - agrllll!!!
In diesen Besonderen Fällen stelle ich meine Platine immer senkrecht hin und löte dann erst - meistens klappt es so.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 11.10.2009, 05:17

Ich löte erst alle Bauteile der Bestückungsseite ein und danach weden die Drahtbrücken der Lötseite eingelötet.
Ich nehm ein langes stück Draht von der Rolle verzinne das vordere Teil drücke es mit der Lötkolbenspitze in die Lötstelle halte es ruhig bis die Lötstelle wieder erkaltet ist. Dann erst biege ich den Draht richtig, länge ihn ab und mach die 2. Lötstelle.
Drähte mit Kunststoffisolation isoliere ich garnicht ab, die Isolation läuft durch die Lötkolbenhitze eh ein wenig zurück.
Und bei CuL Drähten lass ich das Kollophonium und die Hitze den Lack auflösen.

Wichtig ist den Draht VORHER verzinnen sonst kann es sein das kalte Lötstellen entstehen.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon Hobbybastel » 11.10.2009, 12:33

alterhase hat geschrieben:Drähte mit Kunststoffisolation isoliere ich garnicht ab, die Isolation läuft durch die Lötkolbenhitze eh ein wenig zurück.


Ist das überhaupt gut für die Lötspitze, wenn da Kunststoffsüff mit drankommt? Ich habe schon einige Male mit dem heißen Kolben kurz was angesengelt, z B. andere Leitungen und dann klebt die Kunststoffpampe am Lötkolben. Auch das Abstreifen am nassen Schwamm hat nicht alles entfernt - ein Restfleck blieb immer noch. Daher lass ich auf die Lötspitze nur Zinn.

Drähte vorverzinnen mach ich immer. Ist zwar ziemlich viel hin und her, wenn man in einem Gehäuse viele Leitungen anzulöten hat, aber dafür geht das am besten.

Wenn ich eine Lötstelle zum zweiten, oder auch zum dritten Mal aufschmelze um was zu korrigieren oder noch einen Draht anzulöten, kann es passieren, daß das Lötzinn langsam matt wird, weil es oxidiert. Dann saug ich meist wieder alles ab und mach das nochmal neu. Ich weiß nicht ob oxidiertes Lötzinn überhaupt schlimm ist - ne kalte Lötstelle ist es ja nicht, weil ich da wirklich genügend lange drangehalten habe. Sieht allerdings nicht so gut aus und man weiß es später nicht mehr, ob die Lötstelle kalt ist oder nicht.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 11.10.2009, 15:48

Ich schau natürlich, dass ich mit der Lötkolbenspitze den Kunststoff nicht berühre, sondern nur den Draht. Durch das Abzwicken wird der Kúnststoff so wieso bereits etwas nach hinten gedrängt. Und durch die Hitze weicht er weiter zurück.
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon eenoob » 18.11.2012, 13:50

moin!
ich will jetzt nicht groß einen neuen thread aufmachen, da es sich im wesentlichen um das gleiche problem handelt.

wie würdet ihr am besten alte kondensatoren (elektrolyt auf wanderschaft) auslöten aus einer platine?

es handelt sich um alte, mittlerweile ziemlich unersätzliche steuergeräte.

bei versuch 1:
mit dem lötkolben hätte ich fast die platine gekillt; als der kondensator endlich draussen war, war die leitende schicht schon etwas lose :(
auch war es schwierig, den neuen kondensator durch die löcher wieder reinzupfriemeln, siehe hochgebogene schicht.

versuch 2, die harte methode:
den kondi gnadenlos oben mit seitenschneider ab/zerkniffen.
an die noch traurig in der platine stehenden 'beinchen' den neuen angelötet. ging platzmäßig noch ganz gut.
sieht aber etwas unprofessionell aus und wenns mal enger wird.... :|

was ich noch nicht probiert habe ist, das dingen von hinten mit einem feinbedüsten warmluftgebläse (steinel) zu erweichen.
ich hab ehrlich gesagt manschetten, damit andere wärmeempfindliche teile zu grillen?!?
entlötstation lohnt sich bei mir gelegenheitsbastler nicht, sind ja schweineteuer.
what to do?
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon alterhase » 18.11.2012, 14:14

Mit Lotsauglitze hast du es schon versucht?
Sind die Drahtenden umgebogen?
Foto?

Es gab einmal Kontaktnieten mit Widerhaken die den Elko bis zur Schwallötung in der Platine gehalten haben.
Da hilft nur Elko zerstören und Drahtenden in Einsteckrichtung durchziehen
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Re: Lötnägel wieder auslöten ist nicht so einfach

Beitragvon dussel07 » 18.11.2012, 16:28

Zweibeinige Bauteile lassen sich eigentlich IMMER ohne Schaden an der Platine entfernen.
Meine Vorgehensweise:
Die Lötaugen des zu entfernenden Bauteils massiv neu verzinnen (habe meinen Lötkolben auf max. gestellt dann kurz ranhalten) -
Jetzt wechselseitig heißmachen und gleichzeitig am Bauteil ziehen - so ruckelt man das Bauteil langsam aus der Platine -
zu guter letzt mit Entlötlitze die Lötzinnreste entfernen und bei Bedarf noch kurz aufbohren -
fertig -
Bei Bauteilen mit vielen Pins die dicht bei einander liegen (z.B. IC) kommt eine halbe Rolle Lötzinn auf die Pins, bis alle Pins miteinander verbunden sind - dann erhitzen und das Bauteil rausziehen.
Diese Methode klappt allerdings nicht immer bzw. schmurgeln die Finger auch schon mal etwas.
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